Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

Was ist Fiktion, was darf geglaubt werden? Vieles aus Geschichte, Kunst, Literatur, von Orten & Persönlichkeiten ist ausführlich dokumentiert, aber da & dort hinterfragbar geblieben. Die Dichterin fügt der sogenannten Wahrheit eine Dimension hinzu, vertieft Daten & Fakten, analysiert überkommenes Gedankengut aus Mythen, Riten, Sitten & stellt es in aller Freiheit mit überraschenden Wortfindungen, verblüffend bizarren Wendungen & einem gebührenden Schuss Ironie neu dar. Aus Tradition, Ereignissen & Zuständen in dieser Welt werden legendenhafte Züge & fragwürdige Verallgemeinerungen herausgegriffen, intellektuell bearbeitet und raffiniert zu einer reizvoll-individuellen poetischen Auslegung verdichtet. Auch dem dritten Band der quadratischen Sequenzen von Eva Kittelmann, nach jenen der „Verse“ & der „Texte“, wird jeder literarisch Interessierte mit großem Gewinn folgen.


Rezensionen
Der litarerische Zaunkönig:

Erinnern Sie sich, liebe Leserin, lieber Leser, noch an Ihren ersten Schwips (Für nicht des Österreichischen Kundige: eine leichte alkoholbedingte Beschwingtheit)? An die verführerische Süße des Ribiselweins, an das Befremden über den merkwürdigen Geschmack des Sturms (Der Sturm entwickelt sich aus dem Most und ist ein Wein am Beginn der Gärungsperiode mit noch geringem Alkoholgehalt.) oder die Durstlöschfähigkeit eines G'spritzten? An die glückliche Beschwingtheit nach dem zweiten oder dritten Gläschen? Wenn man diese neue Quadratur der Autorin (nach ihren Quadraturen der Verse und der Texte} aufschlägt und zu lesen beginnt, packt einen unverzüglich die beschwingte Neugier, denn die ersten Zeilen verraten schon, dass man auf unbekanntes Terrain entführt wird: „Was an den Sagen so berührt, ein leichtes Gruseln oder Wohlgefühle? Wir nicken, wo die alten Reden Herz oder Geist entzücken. Es hätte können anders sein als bloß gelogen. Nichts ist ausführlicher beschrieben, als wo Verbote standen, Niedergang, Verzicht. Wie oft jedoch ist der Bericht davon ins Gegenteil verbogen."

Man lasse sich also ein auf die Verführung. In den folgenden über hundert wortakrobatischen Sinnkaskaden (oder sinnakrobatischen Wortkaskaden?) – je Buchseite ein Quadrat – werden Anekdoten aus alten Überlieferungen (z.B. über Eurydike, Salome, Mona Lisa, auch aus der biblischen Geschichte), persönlichen Erlebnissen (z. B. Reise- und Konzerteindrücke) oder Erinnerungen an literarische oder philosophische Peripetien einer neuen, erweiterten Deutung zugeführt, und so zeigt uns Eva Kittelmann, um wie viel reicher, poetischer unser Erfahrungsschatz dank unserer Fantasie strahlt: „… in einem schwerelosen und immer tiefer eingefärbten Licht" (S. 71).

Nicht nur die Bilder, Assoziationen und Formulierungen machen die Texte so reizvoll; es ist vor allem auch die Sprache. Lyrik und Prosa verschmelzen zu einer „Quadratur" der Ausdrucksform; der besondere Reiz unterschiedlicher Stile wird durch die konsequente Verschränkung synergetisch erhöht. Dies passiert allerdings nicht so, wie man es oft in modernen Gedichten erlebt, die sich nur durch den Zeilensprung. nicht aber durch die Sprache von Prosa unterscheiden: Bei Eva Kittelmann bleiben die lyrischen Bauteile poetisch (immer wieder auch gereimt), und die Prosa bleibt nüchtern.

Man muss allerdings zugeben, dass es die Autorin uns nicht immer ganz leicht macht, uns in ihrer Sphäre zurechtzufinden. Die quadratische Anordnung der Texte bewirkt (offensichtlich gewollt), dass Rhythmus und Reim sich nicht spontan zu erkennen geben – sie verbergen sich im Quadrat zwischen den außergewöhnlichen Assoziationen, Bildern und auch Sarkasmen und wollen gefunden werden! Doch man wage es und staune: Die Zeit bleibt stehen wie im ersten Schwips, und die Entdeckungsreise von Quadrat zu Quadrat lässt die Überzeugung wachsen, dass hier ein wunderbar bunter, poetisch-prosaischer Textteppich geknüpft worden ist.

Und damit diese theoretische Würdigung einen etwas konkreteren Eindruck ermögliche, sei das Resümee angefügt, das die Autorin selbst gezogen hat:

Resümee
Was alles eine Rolle spielte, wer alles, Herren oder Damen, in Masken sich versteckt & hinter Namen, davon den Hintergrund & ein Profil zu geben, ist hier gezeigt. Natürlich, ja, wir haben aufgegeigt, auf manchem Blatt ein wenig dicker aufgetragen. Ins eigne Leben eingeschaut & frühe andre, die befremden. Wir haben sie bis auf die Hemden ausgezogen, die Kronen abgejagt, oft ansatzweise, doch stets geneigt, dem Individuum nach seinem Sein & seiner Zeit zu dienen, um Irrungen & Wirrungen aus ihrer Wirklichkeit in ein Wahrhaftiges zu übertragen. Dem Generalisieren zu verfallen, war übrigens von Anfang an verboten. Nehmt also hin, was aus Histörchen, Sagen, Sägern in die Betrachtung übersprang. Wir hüpften aus veralteten Geleisen & abgeschliffnen Rollschuhbahnen & hoffen, unser Spiel mit Sprache(n), Stil & Witz gelang. Gehabt euch wohl! Wir dürfen nun getrost zu Bette gehen.

(Rezension in: Der literarische Zaunkönig Nr. 1/2018, S. 49)